Blogparade „Was begeistert Sie an Ihrer Vaterschaft“

Die Jungs von VäterNRW – Vater ist, was du draus machst (https://www.facebook.com/VaeterNRW/) haben zu einer Blogparade aufgerufen mit dem Thema „Was begeistert Sie an Ihrer Vaterschaft?“ Und da mein Podcast „Papas@Work: Erfolgreich als Vater – erfolgreich im Job“ am Montag an den Start geht und das Thema Vatersein eines meiner Herzensthemen ist, mache ich gerne mit.
 
Ich bin Stefan, 40 Jahre alt und Vater meiner zweieinhalb Jahre alten Tochter Tomke. Ich lebe seit fünf Jahren mit meiner Freundin in Berlin und arbeite freiberuflich als Supervisor und Trainer.
 
Was begeistert mich an meiner Vaterschaft?
 
Es gibt Erlebnisse, die ich nur in dieser Art und Weise erleben konnte, weil ich ein Kind habe. Und damit meine ich jetzt nicht die Geburt (natürlich auch ein HammerMoment), sondern die alltäglichen kleinen Momente, die es ohne meine Tochter nicht geben würde: Der Gang zum 200m entfernten Bäcker, der 15 Minuten dauert, weil wir jedes heruntergeworfene Bonbonpapier genau betrachtet haben und den zwei vorbeilaufenden Hunden samt ihren Besitzern unsere volle Aufmerksamkeit geschenkt haben. In Erinnerung bleiben mir natürlich auch der Moment als sie die ersten Schritte gelaufen ist oder das erste Wort gesagt hat. Viel wichtiger sind mir aber die kleinen Momente des Alltags: Der Tag, an dem sie in der Kita von der Bank gefallen ist und eine dicke(!) Beule am Kopf hatte und wir den folgenden Nachmittag mit Kinderarztbesuch und Kühlpack-Kauf gemeinsam durchgestanden haben. Der erste Schwimmbadbesuch, an dem sie total Spass gehabt hat, obwohl das wöchentliche Baden vor wenigen Monaten noch mit riesigen Schreiattacken verbunden war.
 
Es ist die tägliche Herausforderung, mich auf die Logik meiner Tochter einzulassen, die mich begeistert. „Wenn ich mal groß bin und Du bist klein, dann bist Du in meinem Bauch und ich bringe Dich auf die Welt!“ sind da noch die harmlosen und leicht nachvollziehbaren Gedankengänge. Oder: „Papa, bin ich schon groß?“ „Ja, irgendwie schon.“ „Dann kann ich ja mit Dir zur Fortbildung fahren.“ (Mist, hatte ich etwa vor einigen Tagen behauptet, wenn sie groß ist, dann nehme ich sie mal mit auf eine Fortbildung?)
 
Harmlos sind solche Gedankengänge sicherlich auch deshalb, da sie keine direkten Auswirkungen auf den aktuellen Moment haben. Wenn es aber darum geht, dass unbedingt die Stoppersocken vor der wirklich viel zu engen Hose angezogen werden müssen (obwohl klar ist, dass diese Reihenfolge zum Scheitern verurteilt ist) dann ist Papas Geduld gefragt. Durchatmen und das Mantra „Deine Tochter hat eine andere Landkarte und damit eine andere Sicht auf die Welt als Du“ helfen. Oder auch „Sie muss ihre eigenen Erfahrungen machen und ich kann ihr nicht erzählen was geht und was nicht.“
 
Erst seit ich Vater bin habe ich wirklich verstanden, was es mit dem Prioritäten-Setzen auf sich hat, erst jetzt bin ich gezwungen, die 80/20-Regel wirklich konsequent anzuwenden, wenn ich etwas bewegen will. Vor der Geburt war Zeit zwar nicht unendlich vorhanden, aber doch so verfügbar, dass ein unaufmerksamer Umgang damit nicht sonderlich ins Gewicht fiel. Da es mir wichtig ist, mir die Betreuung meiner Tochter mit meiner Partnerin zu teilen, ist meine Zeit für mich und für meinen Beruf nun begrenzt (was nicht heißt, dass ich weniger schaffe: Ganz im Gegenteil 😉
 
Ich beschäftige mich seit vielen Jahre beruflich mit Kommunikation. Lange Zeit habe ich mit geistig beeinträchtigen Menschen gearbeitet, heute bin ich im Kontakt mit Supervisionsgruppen, Führungskräften im Coaching und mit den Teilnehmern/innen meiner Trainings. Ich habe also tagtäglich die Chance mich auf dem Gebiet der Kommunikation weiterzuentwickeln. Alle beruflichen Lernerfahrungen sind allerdings nichts gegen die Lernerfahrungen, die mir meine Tochter ermöglicht hat (und die Pubertät ist noch in weiter Ferne). Wann muss welches Wort in welcher Tonlage gesagt werden, damit die Situation beim Anziehen am Morgen nicht eskaliert, sie das Gefühl hat, selbst bestimmen zu können, aber auch meine Zeitplanung nicht völlig aus den Fugen gerät?
 
Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, dass Vatersein zu jedem Zeitpunkt immer nur toll ist. Der Spagat zwischen Vatersein und Beruf ist nun wirklich nicht immer Zuckerschlecken! Und doch glaube ich, dass ich durch diese neue Rolle in meinem Lebens unter dem Strich deutlich gewonnen habe. Ja, ich habe mich einige Monate vor der Geburt meiner Tochter gegen eine Karriere im klassischen Sinne entschieden (habe eine Führungslaufbahn mit 37 Jahren verlassen und mich selbständig gemacht). Ja, ich könnte in meiner Freiberuflichkeit mehr Aufträge annehmen, wenn ich keine Tochter hätte (wofür eigentlich? das Geld reicht auch so) Ja, es wäre manchmal deutlich stressfreier und entspannter ohne Kinder (ich muss zugeben, dass ich diesen Stress sogar manchmal regelrecht genieße)
 
Durch meine Tochter bzw. durch meine Vaterrolle setze ich mich mit vielen Themen mehr auseinander als vorher: Ich achte deutlich mehr auf die Tauschqualität meiner Zeit, da durch meine Tochter wieder einmal in meinem Leben deutlich wird, dass Zeit das einzige Gut ist, dass wirklich begrenzt ist, das wir nicht sparen können, und dass wir bestimmte Erlebnisse auch nicht auf später verschieben können. Diese Erfahrung konnte ich zwar schon durch eine Krebserkrankung machen, die mich ereilte als ich Mitte 20 war, aber Erinnerungen und Lernerfahrungen verblassen. Dadurch werden für mich so Aussagen wie „Wenn ich erst … erreicht habe, dann …“ völlig absurd. Ich glaube, diese gedanklichen Verknüpfungen gilt es zu ersetzen durch „Obwohl ich … noch nicht erreicht habe, mache ich trotzdem …“
 

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